Rudow fällt aus – auf nach Rudow!

Gemeinsame Kundgebung gegen Antisemitismus mit dem VVN/BdA am Sonntag um 13.00 Uhr

Den Slogan, dass Fußball und Politik nichts miteinander zu tun hätten und gefälligst feinsäuberlich voneinander zu trennen seien, kennt man zur Genüge. In aller Regel hört man ihn von Scheuklappenträgern oder chauvinistischen Dumpfbacken, die in ihrer Kurve mit Vorliebe diskriminatorische Kackscheiße absondern und das Hinterfragen selbiger im Keim ersticken wollen, indem man sich aufs Unpolitischsein beruft. Im Vorfeld des Gastspiels von Tennis Borussia beim TSV Rudow war der Ruf nach politikfreiem Fußball einmal mehr zu vernehmen – ausgerechnet aus dem Umfeld des TSV.

Da die TeBe-Szene es weder für möglich hält noch anstrebt, „unpolitisch“ zu sein, hat die Fanabteilung (TBAF) in Kooperation mit dem VVN/BdA zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus an der Gedenkstätte für Heinrich Stahl (Bild ganz oben) in Alt-Rudow eingeladen. Auch wenn der offensichtlich ebenfalls unpolitische Wettergott mittlerweile für die Absage der Partie gesorgt hat, bleibt es bei dieser Kundgebung – es wäre toll, wenn trotz des zu erwartenden Schneetreibens möglichst zahlreiche TeBe-Anhänger den Weg nach Rudow finden werden. Gemeinsamer Treffpunkt ist der Vorplatz des U-Bahnhofs Neukölln um 12.00 Uhr!

Dass die Partie in Rudow für diese Kundgebung ausgewählt wurde, geschah natürlich nicht ganz zufällig. Dem Club aus dem Südosten Neuköllns eilt seit den späten 80er Jahre der Ruf voraus, immer wieder Anziehungspunkt für Neonazis zu sein. Nachdem sich die Situation zwischenzeitlich etwas beruhigt zu haben schien, waren die beiden Begegnungen TeBe’s in der abgelaufenen Saison alles andere als „unpolitisch“, tummelten sich im Heimbereich der Gastgeber doch nicht nur berüchtigte Fanclubs aus der Hertha-Szene wie etwa „Wannseefront“ und „Buckower Szene“, sondern auch einschlägig bekannte Neonazis wie Patrick Weiss, Sebastian Thom, Marcel Königsberger, Julian Beyer, Thomas Schirmer oder Timo Lennig. Beim Gastspiel Tennis Borussias an der Stubenrauchstraße im November 2011 waren seitens der TSV-Anhänger rassistische, homophobe und NS-verherrlichende Gesänge zu hören, nach dem Spiel wurden TeBe-Anhänger am U-Bahnhof Wutzkyallee durch Rudower Fans attackiert.

Der TSV Rudow reagierte im Anschluss an das Spiel mittels einer Pressemitteilung erfreulich offensiv auf die Vorfälle, verteidigte die TeBe-Anhänger gegen den Vorwurf, sie hätten zur „Eskalation“ beigetragen und distanzierte sich klar vom rechten Sprechchören und deren Urhebern.

Ein Statement, das durchaus hoffen ließ, dass man es beim TSV ernst meint mit der Ausgrenzung Rechtsradikaler. Anderthalb Jahre später jedoch muss man konstatieren, dass über Lippenbekenntnisse hinaus offensichtlich wenig in Rudow geschehen ist: Darauf, dass sich Nazis beim TSV Rudow nach wie vor willkommen fühlen, ließen nicht nur zahlreiche Posts auf dem Facebook-Veranstaltungshinweis der Rudower schließen, sondern vor allem die Tatsache, dass der beim letzten Spiel als Ordner fungierende Thomas Schirmer nach wie vor eng in den Verein eingebunden zu sein scheint. Diesbezügliche Nachfragen und Hinweise seitens der TeBe-Fanabteilung (TBAF) wurden seitens des TSV Rudow bislang ignoriert. Es steht also zu befürchten, dass die mittlerweile auf Donnerstag, den 25.04., 19.30 Uhr verschobene Partie erneut von zahlreichen Neonazis frequentiert wird.

Da die Situation beim TSV Rudow durchaus symptomatisch für die Tatsache ist, wie ungehindert rechte Strukturen im südlichen Neukölln nach wie vor agieren können, wollen wir gemeinsam ein Zeichen dagegen setzen. Dies haben wir auf der Kundgebung am Sonntag gemeinsam mit anderen Antifaschist_innen vor. Dazu wollen wir uns am Geburtshaus Heinrich Stahls versammeln, dem zwischen 1933 bis 1940 letzten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung. Er wurde am 13. April 1868 in Berlin geboren und starb am 4. November 1942 im KZ Theresienstadt. In den vergangenen Jahren wurde die Gedenktafel wiederholt durch Hakenkreuze, eine Rune der Wiking-Jugend und antisemitische Parolen geschändet.

Bezeichnend auch dies:

Die Besitzer des Hauses verweigerten die Anbringung der Berliner Gedenktafel gegenüber dem Kunstamt, weil sie „Anlaß für antisemitische Anschläge auf das Haus und die dortige Bäckerei geben“ könnte (Der Tagesspiegel, 21.4.93). So wurde sie zunächst am Haus Nr. 43 angebracht. Da das Haus im Herbst 1993 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden sollte, wurde die Tafel vorher wieder entfernt. Volksbildungsstadtrat Wolfgang Schimmang sagte in einem Interview (Berliner Zeitung, 24.4.1993) die spätere Anbringung einer neuen, korrekten Tafel mit dem Hinweis auf das Nachbarhaus als Geburtshaus zu. Die erste Enthüllung erfolgte durch Bezirksbürgermeister Hans-Dieter Mey am 22. April 1993. Anfang Juni 1998 wurde die unkorrigierte Tafel am heutigen Ort befestigt.

(Quelle://www.gedenktafeln-in-berlin.de/)

Wir hoffen, wir sehen uns – sowohl am Sonntag auf der Demo als auch Ende April beim Nachholspiel. Kein Fuß- und kein Ballbreit den Nazis!